Ein Klick, lebenslange Schäden: Wenn künstliche Intelligenz (KI) die Kontrolle über den Körper einer Person übernimmt
Während Deepfakes eher als gesellschaftliches Phänomen betrachtet werden und daher nicht immer negative Auswirkungen haben, verursachen Deepnudes eindeutig enormen Schaden. Es handelt sich dabei nicht nur um allgemeine gefälschte Bilder, sondern um einen direkten Angriff auf die Privatsphäre und die Würde eines Menschen. Sie berühren die Menschen persönlich.
Die Sängerin Taylor Swift und die Schauspielerin Emma Watson waren davon betroffen, und auch die ehemalige Miss Belgien Celine Van Outsel hat bereits über derartige Vorfälle berichtet.
Deepnudes sind eine spezielle Anwendung der Deepfaking-Technologie. Die Bilder, sowohl Fotos als auch Videos, sind KI-generiert und/oder manipuliert und wirken realistisch, sind es aber nicht. In diesem Fall handelt es sich um eine Bildmanipulation des Körpers, für die keine Einwilligung erteilt wurde. Das Porträtrecht und das Recht auf Privatsphäre sind streng geregelt. Deepnudes sind somit ein grober Verstoß gegen diese Rechtsvorschriften. Darüber hinaus wird die Integrität und Würde des Opfers verletzt. Das „digitale Entkleiden“ einer Person oder die Manipulation eines Videos mithilfe künstlicher Intelligenz, sodass es so aussieht, als würde eine Person sexuelle Handlungen vornehmen, fällt unter "die Straftat der nicht einvernehmlichen Verbreitung von Inhalten sexueller Art".
Im Jahr 2024 führten die Universität Antwerpen, Child Focus und das Institut für die Gleichheit von Frauen und Männern eine Studie über Deepnudes unter belgischen Jugendlichen zwischen 15 und 25 Jahren durch. Die Umfrage ergab, dass 42 Prozent bereits von Deepnudes gehört haben, 23 Prozent haben derartige Bilder bereits gesehen, 13 Prozent kennen Apps, mit denen man sie erstellen kann, 14 Prozent haben bereits eines erhalten und fast 8 Prozent besitzen Deepnudes.
Was geschieht, wenn Sie Opfer sind?
Die Opfer fühlen sich schuldig und schämen sich. Außerdem zweifeln sie oft daran, ob die Vorfälle „schwerwiegend genug“ sind, oder glauben, dass sie selbst etwas hätten tun können, um dies zu verhindern. Manche junge Menschen treibt es in den Selbstmord.
Es ist daher wichtig zu wissen, dass sie keinerlei Verantwortung tragen, die Täter hingegen umso mehr.
Es gibt drei Schritte, die Opfer von Deepnudes unternehmen können.
- Behalten Sie es nicht für sich, sondern sprechen Sie mit Menschen darüber, denen Sie vertrauen. Sie können auch professionelle Hilfe in Anspruch nehmen, z. B. bei der Opferhilfe.
- Sammeln Sie alle Beweise sorgfältig. Geben Sie die Fotos auf keinen Fall weiter und stellen Sie sie schon gar nicht ins Internet.
- Gehen Sie mit den gesammelten Beweisen so schnell wie möglich zur Polizei und erstatten Sie Anzeige.
Wo oder bei wem finden Sie Hilfe?
Darüber hinaus gibt es auch Meldestellen, bei denen Sie diese Online-Straftat melden können.
Minderjährige können sich rund um die Uhr unter der gebührenfreien Nummer 116 000 an Child Focus wenden, Erwachsene an das Institut für die Gleichheit von Frauen und Männern, um den Fall zu melden.
Außerdem gibt es die Betreuungszentren nach sexueller Gewalt, 1712 ist die Hotline für Fragen zu Gewalt und Missbrauch.
Vermeiden Sie Deepnude-Apps
Die Erstellung und Verbreitung derartiger Bilder ist strafbar und kann zudem als Identitätsbetrug verfolgt werden. Abgesehen davon, dass sie die Privatsphäre verletzen und damit Straftaten begehen, sind derartige Apps auch höchst unsicher. Die Software enthält sehr oft Malware und Spyware und kann Ihren Computer und Ihr Smartphone infizieren.
Auch wenn Sie kein Opfer sind, können Sie Ihren Beitrag zum Kampf gegen Deepnudes leisten. Bemerken Sie derartige Bilder, stoßen Sie auf Apps, mit denen Sie Deepnudes erstellen können? Melden Sie sie!
Europäische Gesetzgebung
Das Europäische Parlament hat am Donnerstag, den 26. März 2026, einen wichtigen Schritt im Zusammenhang mit derartigen Anwendungen unternommen. Es stimmte mit großer Mehrheit für eine Vereinfachung der AI-Gesetzgebung. Dazu gehört ein Verbot von KI-Systemen, die ohne die Zustimmung der betroffenen Person sexuell eindeutige Bilder erzeugen können, wie z. B. Grok. Der KI-Chatbot von Elon Musk führte Ende 2025 eine weitere Funktion ein, die es auf einfache Weise ermöglichte, Nacktbilder von vorhandenen Fotos, auch von Minderjährigen, zu machen und sie über X zu teilen. In den Niederlanden wurde bereits ein Rechtsstreit in dieser Angelegenheit gegen Grok gewonnen.
Ob das Phänomen damit ausgemerzt werden kann, bleibt abzuwarten. Es besteht die Möglichkeit, dass die illegalen Apps ins Darkweb oder auf Telegram verlagert werden, doch diese sind bereits etwas schwerer zugänglich. Mit dieser neuen europäischen Gesetzgebung wird aber ein Signal gesendet, dass das Phänomen der Deepnudes nicht in Ordnung ist.
Hauptunterschied zwischen Deepfakes und Deepnudes
Was ist das?
- Deepfakes: Sammelbegriff für KI-generierte oder -manipulierte Bilder, Videos oder Audiodateien, die echt erscheinen, es aber nicht sind
- Deepnudes: Unterkategorie von Deepfakes, mit Fokus auf Bildmanipulationen des Körpers ohne die Zustimmung der betreffenden Person
Umfang:
Deepfakes: sehr breit gefächert, können Videos, Audio, Bilder, Stimmen, Gesichter usw. umfassen
Deepnudes: sehr eng und spezifisch
Zweck/Kontext:
Deepfakes: Dieser kann von (positiver) Kunst und Satire bis hin zu (negativem) Betrug, Fehlinformationen und Betrug reichen
Deepnudes: IMMER schädlich, Eingriff in die Privatsphäre und Angriff auf die Menschenwürde
Rechtlicher/ethischer Rahmen:
Deepfakes: je nach Kontext ist ihre Verwendung legal (z. B. in der Kunst)
Deepnudes: immer problematisch oder sogar strafbar
Opfer
Deepfakes: bei negativem Kontext gibt es nicht immer individuelle Opfer
Deepnudes: hier gibt es immer ein konkretes Opfer
Gesellschaftliche Auswirkungen:
Deepfakes: Vertrauen in Medienkanäle, Auswirkungen auf Demokratie und Sicherheit
Deepnudes: es wird ein schwerer persönlicher und psychosozialer Schaden angerichtet
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Weitere Informationen : https://www.polizei.be/5998/de/uber-uns/kommunikationskampagnen/scam-kampagne