Die informationsgeleitete Polizeiarbeit (Intelligence Led Policing)

Bei der föderalen Polizei ist die "Intelligence Led Policing" oder die informationsgeleitete Polizeiarbeit einer der Pfeiler, auf denem sich unsere Vision der Polizeiarbeit stützt.

Der Ausgangspunkt ist einfach: die Grundlage der Polizeiaktionen bilden die Auskünfte und nicht andersherum. Bei dieser Vorgehensweise stützen wir uns einerseits auf die Sammlung und die Verarbeitung von Daten (Daten über Taten, Täter, kriminelle Gruppen, usw.) und andererseits auf den Mehrwert, der aus den Erfahrungen und den Fähigkeiten der Polizeibeamten hervorgeht. Die Informationen (Intelligence), die auf diese Weise gesammelt werden, leiten die föderale Kriminalpolizei auf legale und legitime Weise im strategischen (strafrechtliche Politik), taktischen (Aktionsplan) und einsatzbezogenen (Ermittlung) Bereich.

Die Einsatzdienste, die einen direkten Zugang zu den Informationsquellen haben, sind eine Schlüsselfigur. Ihre Kenntnisse werden verwendet, um die Phänomene so gut wie möglich zu bekämpfen. Auch andere Mitarbeiter und Dienste spielen eine wesentliche Rolle (Analytiker, spezialisierte Ermittler, Informationsknotenpunkt des Bezirks, Labor, …).

Das Wagnis, die Zukunft vorauszusagen, Tendenzen festlegen, eine ständige Herausforderung für die strategischen Analytiker.

Die strategischen Analytiker wenden verschiedene Verfahren und Analysetechniken an (Kartographie, Statistiken, Szenarien, …), aufgrund derer sie sowohl auf lokaler als auf nationaler Ebene ein genaues Bild der Sicherheitsphänomene entwerfen können. Mit diesen Analysen wollen sie die zuständigen Behörden bei der Festlegung der (strategischen) Prioritäten im Bereich der Sicherheit unterstützen.

Durch diese umfassenden Datenanalysen leistet der strategische Analytiker einen Beitrag zur Verbesserung der Kenntnisse der Phänomene. Zu diesem Zweck benutzt er verschiedene (polizeiliche oder nichtpolizeiliche) Quellen, die er unter verschiedenen Gesichtspunkten analysiert, um auf diese Art und Weise die neuen oder die möglichen künftigen Tendenzen in der Entwicklung der Kriminalität aufzudecken.

Der Informationsknotenpunkt des Bezirks (IKB) : das Herz des Datenaustauschs.

Die informationsgeleitete Polizeiarbeit ist keine Einbahnstraße. Sie wird durch den Austausch von Informationen und Kenntnissen zwischen allen Polizeibeamten und die Teilung dieser Informationen und Kenntnisse unter den Polizisten, ungeachtet ihres Dienstes oder der Ebene (lokaler oder föderaler Ebene), der sie angehören, gekennzeichnet. Deshalb gibt es in jedem Bezirk einen Informationsknotenpunkt des Bezirks, der die Informationen der verschiedenen Polizeidienste verarbeitet, analysiert und verbreitet.

Dank der bevorzugten Stellung auf Bezirksebene und dank seines besonderen Sachverstands gibt der IKB den polizeilichen Daten einen Mehrwert durch eine spezifische Beurteilung der Phänomene und Tätergruppen und regt den Austausch von polizeilichen Informationen (über die Grenzen hinaus) an. Der IKB besitzt eine Signalfunktion, vor allem den Polizeieinheiten gegenüber. Die Absicht ist das Aufdecken einer spezifischen Verbrechenswelle (zum Beispiel Wohnungsdiebstahl in einem Viertel), eines neuen Modus Operandi oder eines neuen Sicherheitsproblems, um infolgedessen geeignete Gegenmaßnahmen treffen zu können.

Die Sammlung und die Analyse der Daten, eine entscheidende Phase in der Ermittlung.

Im Rahmen der proaktiven und reaktiven Ermittlungen suchen die operativen Kriminalanalytiker (OKA) einen Zusammenhang zwischen kriminellen Taten, den Tätern, den Orten, die sie besuchen oder wo sie tätig sind, den Modi Operandi, … Dank der Analyse dieser Daten ermöglichen sie es den Ermittlern, ihre Ermittlung so gut wie möglich zu steuern.

Andere Polizeimitarbeiter, die im Bezirk tätig sind und den Abteilungen gerichtspolizeiliche Information zugehören, sind auf die Informationssammlung im kriminellen Milieu spezialisiert. Sie pflegen regelmäßig Kontakte zu Informanten aus diesem Milieu oder die diesem Milieu nahe stehen und können ihre Kollegen anhand von bestimmten Informationen während den Ermittlungen begleiten. Aufgrund dieser Informationen können die Ermittler auch auf bestimmte kriminelle Tätigkeiten näher eingehen. Solche delikaten aber notwendigen Kontakte erfordern einen deutlichen gesetzlichen Rahmen, sehr genaue Arbeitsvorschriften und eine gründliche Kontrolle durch die gerichtlichen Behörden. Die Nutzung dieser Informationsquellen durch die föderale Kriminalpolizei hängt vor allem von den vorrangigen Phänomenen ab.